AG Raum und Gesundheit der DGPH
Seit einiger Zeit wird im deutschsprachigen Raum eine immer stärkere Verbindung zwischen geographi-schen, d.h. vornehmlich räumlichen, Forschungsansätzen einerseits und Public Health relevanten Frage-stellungen andererseits sichtbar. Wurden in den Gesundheitswissenschaften in der Vergangenheit räumliche Aspekte weitgehend vernachlässigt, so findet hier seit einigen Jahren ein Umdenken statt: regionale gesundheitliche Ungleichheiten sind mittlerweile ein wichtiger Bestandteil des Forschungsinteresses geworden.
Im Mittelpunkt der Diskussion über regionale soziale Unterschiede und deren Einfluss auf gesundheitliche Ungleichheit stehen Stichworte wie „regionale Deprivation“ oder „Environmental Justice“ („Umweltgerechtigkeit“). In der Epidemiologie nehmen Untersuchungen mit geographischen Methoden, wie Geoinformationssysteme (GIS) oder räumliche Statistik, mittlerweile einen wichtigen Stellenwert ein („spatial epidemiology“, „disease mapping“). Auch in der Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie („spatial health economics“) hat die räumliche Perspektive Einzug gehalten, beispielsweise wenn es um die Erreichbarkeit von medizinischen Leistungserbringern geht („Accessibility“). Die räumliche Perspektive kann je nach Fragestellung auf verschiedenen Skalen erfolgen und von einer globalen Sicht (Makroebene) bis hin zur Betrachtung kleinräumiger Einteilungen (Mikroebene, z.B. Stadtteile, statistische Bezirke oder Baublöcke) reichen.
Um diese Entwicklung zu fördern und um der Gesundheitsgeographie ein Forum in einer Fachgesellschaft zu bieten, wurde im Jahr 2010 von Werner Maier (ehem. Helmholtz-Zentrum München) und Daniela Koller (LMU Klinikum) die „AG Health Geo-graphy“ in der Deutschen Gesellschaft für Epidemio-logie (DGEpi) gegründet. Mittlerweile ist die AG fester Bestandteil in der DGEpi. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Aktivitäten (Publikationen, Work-shops, etc.) durchgeführt, auch in Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsgruppen außerhalb der DGEpi. Auch wurden Initiativen ins Leben (z.B. die Leitlinie „Gute kartographische Praxis im Gesundheitswesen“) gerufen oder unterstützt (z.B. AGENS Spring School). Im September 2019 wurde Jobst Augustin (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) als Nachfolger von Werner Maier gewählt. Im September 2022 folgte Sebastian Völker (IU Internationale Hochschule) als 3. Sprecher der „AG Health Geography“. Im Jahre 2024 hat sich die „AG Health Geography“ in „AG Raum und Gesundheit“ umbenannt.
Um die räumliche Perspektive über die Epidemiologie hinaus zu unterstützen, sie weiter zu vernetzen und ExpertInnen ein Forum zu bieten, ist die Initiative entstanden, die AG Raum und Gesundheit auch in die Deutsche Gesellschaft für Public Health (DGPH) zu integrieren. Dies ist auch inhaltlich naheliegend, da die Bevölkerung zentraler Bezugspunkt gesundheits-geographischer Perspektiven ist und somit eine enge Verbindung, beispielsweise zur Gesundheitsberichterstattung oder Gesundheitsförderung, besteht. Die Verankerung in der DGPH soll den interdisziplinären Austausch stärken und räumliche Ansätze in Public-Health-Forschung, -Praxis und -Politik sichtbarer machen.
Wir freuen uns auf einen intensiven Austausch und konstruktive Zusammenarbeit mit der DGPH.
Jobst Augustin, Daniela Koller & Sebastian Völker für die AG Raum und Gesundheit
Sprecher:innen des Fachbereichs
Jobst Augustin
Daniela Koller
Sebastian Völker